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04.05.2016  Lokales Steinbach  

Archäologische Funde Gräber und Gruben

Von STEFANIE HEIL

 

Die Vermutung hat sich bestätigt: Am „Alten Cronberger Weg“ haben Archäologen Gräber der Römer und Gruben aus der Jungsteinzeit gefunden. Bei ihren Arbeiten spielt sogar Frischhaltefolie eine Rolle. 

 

 

 

Foto: Matthias Reichwein


Steinbach.
  Die Familien, die eines Tages im Neubaugebiet „Alter Cronberger Weg“ einziehen, können erzählen, dass sich dort schon lang, lang vor ihnen Menschen aufgehalten haben. Das belegen die Funde, die Mitarbeiter der Landesbehörde Hessen-Archäologie auf dem etwa 0,9 Hektar großen Gelände an der Sodener Straße gemacht haben. Wie berichtet, ist das Team seit Mitte März dabei, die Fläche zu untersuchen.


Mehr als die Hälfte des Gebiets ist bereits geschafft – und die Archäologen haben „ungewöhnlich viel“ gefunden, wie die örtliche Grabungsleiterin Dr. Franka Schwellnus bei einer Pressekonferenz sagt. Wobei schon bekannt war, dass „viel zu erwarten“ war.
Schwellnus’ Team hat sowohl Hinweise auf die Zeit der Römer (zweites und drittes Jahrhundert nach Christus) als auch auf die Jungsteinzeit (5000 bis 2000 vor Christus) bekommen, hat Gräber und Gruben, Gefäße und Scherben aus verschiedenen Zeiten gefunden. Darunter sind – vermutlich vier – römische Gräber: mit Amphoren, die teils als Urne, teils als Grabbeigabe dienten, und weiteren Gefäßen wie Krügen. Die Größe ist ansehnlich, das größte Gefäß hat einen Durchmesser von etwa 55 Zentimetern. Auch Spuren von Leichenbrand sind zu erkennen gewesen.


Die Funde werden nun weiter erforscht. In einem Fall ist gleich ein ganzes Grab nach sogenannter Blockbergung nach Wiesbaden in die Restaurierungswerkstatt gebracht worden. Sorgfältig eingepackt in Frischhaltefolie, um ein Oxidieren zu vermeiden, und mit Gipsbinden stabilisiert. Noch ist dieses „Paket“ nicht geöffnet worden. Wird der Inhalt dann untersucht, hoffen die Forscher zum Beispiel darauf, dass sich aus Eisenspuren eine Gewandnadel rekonstruieren lässt. Das würde nach Angaben von Dr. Eveline Grönke, Sprecherin der Hessen-Archäologie, eine genaue Datierung ermöglichen, denn schon damals hat sich die Mode schnell geändert. Generell freuen sich die Forscher über Details, um Funde datieren zu können: „Wir brauchen Ränder und Verzierungen“, sagt Grönke.


Gibt’s noch mehr?


Nach ihrer Vermutung war die jetzt untersuchte Fläche der Friedhof der ehemaligen Villa Rustica, die nahe dem heutigen Aussiedlerhof, unweit des Baugebiets, lag. „Jeder Gutshof hatte sein Gräberfeld“, erklärt Grönke und ergänzt im Hinblick auf noch zu Findendes: „Wir sind in freudiger Erwartung auf noch mehr.“ Hinweise gibt es auch darauf, dass einst ein Weg zur Villa Rustica geführt hat.


Schon lange vor den Römern war aber schon mal jemand da: Darauf deuten zwei jungsteinzeitliche Gruben hin, in deren Öfen mutmaßlich Brot gebacken oder Getreide geröstet wurde. Eine weitere Grube könnte der Vorratshaltung gedient haben.
Ilse Tesch, Vorsitzende des Geschichtsvereins, hofft darauf, Dokumente und Ausstellungsstücke fürs Heimatmuseum zu bekommen, wo laut ihr bereits Exponate aus der Jungsteinzeit liegen – einen „Altersrekord“ haben die Neuentdeckungen also nicht aufgestellt. Diese gehen zwar in den Besitz des Landes über, sollen aber zumindest teilweise als Leihgabe im Museum zu sehen sein.


Die Stadt denkt zudem daran, im künftigen Wohngebiet ein Schild aufzustellen, das auf die Geschichte des Areals hinweist. Dieses dürfte für sie weniger teuer sein als der Einsatz der Archäologen, den die Kommune bezahlen muss. 110 000 Euro sind vorgesehen, laut Bürgermeister Dr. Stefan Naas (FDP) können es aber bis zu 148 000 Euro werden. Dazu kommen 35 000 Euro für den Spezialbagger, mit dem gearbeitet wird.


Sowohl die Landesbehörde als auch Naas bleiben dabei, dass die Funde keine Auswirkungen auf den Zeitplan der Baumaßnahme haben. Am 6. Juni sollen die Erschließungsarbeiten beginnen, vier Monate dauern und teils parallel zu den Tätigkeiten der Wissenschaftler laufen. Bei der Auswahl der zwei Straßennamen für das neue Baugebiet denkt Naas an eine historische Anleihe – und Grönke hat schon einen Vorschlag, wie eine Adresse der künftigen Anwohner lauten könnte: Zum Römischen Gutshof.